Promotion in Japan

 

Obwohl Japan rein bevölkerungsmäßig weit hinter Indien und China liegt, die beide je mit einer Millarde Einwohnern auftrumpfen können, hat das Land trotz „nur“ 127 Millionen Einwohnern den zweitgrößten Musikmarkt der Welt (nach den USA). Während hierzulande auf einer CD-Single im Normalfall nur ein oder zwei Tracks zu finden sind, haben die Japaner jede Menge Möglichkeiten herausgefunden, eine Single an den willigen Käufer zu bringen, ohne, dass dieser sich fragt, wieso er sich den Song nicht einfach downloaden kann.

 

Singles enthalten in Japan oft zwei oder gar drei Songs, die alle ungefähr gleich stark beworben werden. In Anlehnung an die Schallplatten von früher (auf die damals nur zwei Songs passten – der Song, der promotet werden sollte, der „A-Seite“ genannt wurde und ein weiterer Song auf der Rückseite der „B-Seite“ der Schallplatte) werden die Songs auch heute noch in A- und B-Seite unterteilt. Daraus folgt, dass die Singles, die aus zwei oder drei gleichzeitig promoteten Songs bestehen, Double- oder Triple-A-Sides genannt werden (In seltenen Fällen gibt es sogar Quadruple-A-Sides, die aus VIER Songs bestehen!)

Auch Singles mit mehreren A-Seiten können nebenbei noch B-Seiten haben.

 

Zusätzlich packen Japaner gerne irgendwelchen Bonuskram wie Schlüsselanhänger, Notizbücher, DVDs mit Musikvideo-Making-ofs etc. zu den Singles dazu. um den Kaufanreiz noch weiter zu erhöhen. Die Band AKB48 treibt dies auf die Spitze: Die Gruppe besteht aus über 80 Mitgliedern, auf den Singles sind aber nur einige davon zu hören. Welche? Das dürfen die Fans in der sogenannten „Senbatsu Election“ entscheiden. Allerdings darf nur derjenige seinen Liebling auf die nächste AKB48-Single voten, der die jeweils aktuelle Single gekauft hat, denn nur darin ist ein Stimmzettel enthalten. Also pro verkaufter Single eine Stimme für ein bestimmtes Mitglied der Gruppe. Wohin das führt, kann man sich ja denken....

 

Singles und ihre dazugehörigen Musikvideos sind in Japan immens wichtig. So werden im Normalfall aus einem Album erst drei oder vier Singles ausgekoppelt, bevor dann am Ende erst das Album folgt. Wenn man sich jetzt überlegt, dass Singles mehrere A-Seiten haben können, die alle ein Musikvideo haben und oft auch zu nicht vorher veröffentlichten Songs des Albums Musikvideos gedreht werden, kann man sich in etwa vorstellen, wie viele Musikvideos in Japan veröffentlicht werden. Ayumi Hamasaki, eine der erfolgreichsten Sängerinnen Japans, hat in ihrer 15 Jahre langen Karriere so bis jetzt über 100 Musikvideos gedreht. Übrigens heißen die Videos in Japan auch Promtional Videos und werden mit PV abgekürzt.

 

Was sagt uns das alles im Fall von K-Pop? Kreative Verkaufsstrategien sind gefragt! So wird zurzeit in diversen japanischen Coffeeshops ein Getränk verkauft, auf dem ein QR-Code für Smartphones schwimmt (woraus der hergestellt wurde, kann ich euch leider nicht sagen.) Dieser Code wird von Handys auch erkannt. Wird er eingescannt, so gelangt man auf eine mobile Internetseite, auf der die neue Single der koreanischen Sängerin BoA angepriesen wird. So etwas ist auf der Welt bisher einzigartig.

 

Apropos BoA: Gerade sie sollte beim Thema „Koreaner in Japan“ nicht fehlen, denn sie ist die erste Sängerin aus Korea, die in Japan zum Superstar wurde – von ihrer Agentur SM Entertainment wurde sie schon im Alter von 11 Jahren gezielt auf den japanischen Markt hin ausgebildet (Schon vorher versuchten Gruppen wie S.E.S, Singles in Japan rauszubringen, allerdings war dies nicht gerade von Erfolg gekrönt.) Obwohl BoA auch in Korea sehr erfolgreich ist, so wird sie doch immer in einem Atemzug mit ihren Erfolgen in Japan genannt. Auch DBSK/TVXQ sind in dieser Hinsicht als Pioniere zu nennen. Ihr Erfolg sorgte letztendlich dafür, dass heute eigentlich so gut wie jede K-Pop-Gruppe meist schon kurz nach ihrem Debüt in Korea nach Japan geschickt wird. Oft greift man für das Debüt in Japan auf eine Single zurück, die schon in Korea ein Hit war, so debütierten etwa SNSD mit japanischen Versionen ihrer Hits „Genie“ und „Gee“ in Japan. Erst ihre dritte Single „Mr. Taxi“ war extra für den japanischen Markt geschrieben worden – und auch das nur halb, denn auf der Single befand sich noch der Song „Run Devil Run“ der zuvor schon in Korea erfolgreich war und für Japan neu aufgenommen wurde.

 

Nach dem Start bringen die Gruppen dann Songs heraus, die nur für den japanischen Markt geschrieben wurden, nicht selten werden diese allerdings auch in Korea wieder als koreanische Versionen herausgebracht, was mit „Mr. Taxi“ letztendlich Ende 2011 auch geschehen ist. So können die Gruppen quasi zweigleisig fahren. 

 

Annyeonghaseyo (✿◠‿◠)    

 

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